Harninkontinenz bei Katzen

Bei Katzen eher selten ist das unkontrollierte Harnträufeln. Es kann z.B. nach Verletzungen der Wirbelsäule auftreten. Doch es gibt auch andere medizinische Gründe für die Unsauberkeit.

ehft_02452.jpg
Es gibt mehrere medizinische Gründe für Harninkontinenz bei Katzen.© Thomas Brodmann / animals-digital.de

Nach einem Unfall mit Verletzungen im Beckenbereich kann es zum Versagen der Funktion der Harnblase kommen. Dann nämlich, wenn die Nerven, die die -Blasenfunktion kontrollieren Schaden genommen haben. In der Regel können Katzen mit solchen Schäden ihre Harnblase nicht mehr willkürlich entleeren. Die Harnblasenmuskulatur ist gelähmt und die Blase läuft kontinuierlich voll, bis schließlich der Druck in dem Hohlorgan so groß wird, dass der Harn einfach ausläuft. Man nennt dieses Krankheitsbild Überlaufblase. Betroffenen Katzen muss der Mensch beim Harnabsetzen behilflich sein. Mehrmals täglich muss man die Harnblase sanft ausmassieren. Die Betonung liegt hier auf sanft. Bei zu starkem Druck besteht die Gefahr, dass man den Harn zurück in die Nieren drückt und dort eine Erkrankung der Nieren provoziert. Am besten, Sie lassen sich die richtige Technik von Ihrem Tierarzt zeigen.

Überlaufblase nach Verletzungen

Zur Überlaufblase kann es übrigens auch bei den gar nicht so seltenen Verletzungen des Schwanzes kommen. Je näher die Verletzung an der Schwanzwurzel liegt, desto größer die Gefahr, dass sich -eine Überlaufblase bildet. Ein Schicksal, das bei den schwanz-losen Rassen ein Teil des Erbes sein kann. Schwanzlosen Manxkatzen fehlt der Schwanz nicht nur als Balancierstange, auch die Nerven, die die Schließmuskeln von Blase und Darmausgang kontrollieren, können unterentwickelt oder missgebildet sein. Diese Fehlentwicklung ist nicht zu beheben und es scheint barmherziger, die Katze zu erlösen, als ihr dieses Los zuzumuten. Nach Unfällen oder Verletzungen kann sich der Zustand der Katze wieder bessern, d.h., die Nerven können, sofern sie nicht durchtrennt oder zu schwer geschädigt wurden, wieder ihre Funktion erfüllen. Wie lange das dauert, ist unterschiedlich und hängt vom Grad der Verletzung ab. Bis es allerdings so weit ist, muss der Katzenhalter nicht nur regelmäßig die Blase entleeren, sondern auch auf Hygiene achten. 

Hygiene ist besonders wichtig

Denn die gefüllte Blase ist besonders anfällig für Infektionen. Da außerdem immer die Gefahr besteht, dass aus der vollen Blase Urin zurück in die Nieren schwappt, ist auch das Risiko von schweren Nierenentzündungen erhöht. Leider gibt es auch genügend Fälle, bei denen keine Besserung eintritt. Auch in diesen Fällen sollte man im Interesse der Katze eine Einschläferung in Erwägung ziehen. Denn gerade für das so auf Sauberkeit bedachte Tier gehört die Kontrolle der Blasenfunktion zur Lebensqualität.

Schwache Blasenmuskulatur

Sehr selten entsteht die Überlaufblase durch einen zu schwachen "Blasenausdrücker". So nennt man die Muskulatur in der Wand der Blase, die den Harn aus dem Hohlorgan heraus in die Harnröhre presst. Diese Muskelschwäche behandelt der Tierarzt mit Medikamenten, die Einfluss auf das vegetative Nervensystem haben. Auch Verletzungen des Gehirns oder des Rückenmarks oberhalb des Kreuz-Schwanz- Bereichs der Wirbelsäule können eine Inkontinenz zur Folge haben. Meist ist die Blase in diesen Fällen nicht schlaff gelähmt, sondern zieht sich immer wieder krampfartig zusammen, ohne dass das Tier diese Krämpfe steuern könnte. Die Aussichten hängen in diesen Fällen von der zugrunde liegenden Schädigung ab. In den meisten Fällen ist aber nicht eine echte Inkontinenz, also ein tatsächlicher Kontrollverlust, die Ursache dafür, dass die Katze nicht mehr sauber ist. Das bedeutet, dass die Katze zwar in der Lage ist, ihren Harnabsatz zu kontrollieren, es aber aus bestimmten Gründen nicht tut. Und sie hat immer Gründe. Einer ist z.B. eine erlernte Aversion gegen die Toilette. Äußerst schmerzhaft sind beispielsweise Blasenentzündungen. Die Katze kann sich den Ursprung der Schmerzen nicht erklären, bringt sie mit der Toilette in Verbindung und wird diese in Zukunft meiden. Blasenentzündungen stellt der Tierarzt mit Hilfe einer Untersuchung des Harns fest und behandelt sie mit Antibiotika. Da Blasenentzündungen hartnäckig sein können, sind drei Wochen antibiotische Behandlung nicht selten. Vor allem dürfen Sie das verschriebene Medikament nicht eigenmächtig absetzen. Denn meist geht es zwar der Katze schon bald besser, aber die krankmachenden Bakterien sind noch nicht vollständig eliminiert und können einen Rückfall verursachen.

Schmerzen beim Wasserlassen

Schmerzen, die zum Meiden der Toilette führen, kann auch von Harngrieß oder Harnsteinen wie beispielsweise Struvitsteinen herrühren. Insbesondere bei Katern ist hier höchste Vorsicht geboten, denn der Harngrieß kann die Harnröhre auch plötzlich verstopfen. Diese Verstopfung ist ein lebensgefährlicher Notfall und muss schnellstmöglich vom Tierarzt behandelt werden. Symptome einer verstopften Harnröhre sind: erfolgloses Aufsuchen der Toilette, aufschreien beim Versuch zu pinkeln und häufiges Lecken des Penis. Außerdem gibt es eine Reihe Krankheiten, die mit einer vermehrten Harnproduktion einhergehen, die Katze "muss" dann häufiger. Da manche Katzen ihre Toilette nur im sauberen Zustand benützen, können auch diese Krankheiten zu Unsauberkeit führen. Selbst wenn die Toilette sauber bleibt, vermehrter Harnabsatz ist immer ein ernstes Symptom und die Katze sollte rasch zum Tierarzt.

Das könnte Sie auch interessieren

"Ein Herz für Tiere" – Die neue Ausgabe jetzt bestellen
Aktuelle Meldungen aus der Tierwelt
Großer Haustierratgeber
Mensch & Tier
Wildes Tierleben
Spannende Unterhaltung
EHfT05_150_dpi.png