Titelseite der Tierzeitschrift Ein Herz fuer Tiere

 

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Namibian Wild-Dog Project

Eine Ärztin unter bunten Hunden

Sonja Metzger und das Namibian Wild Dog-Project

Als Pendlerin zwischen zwei Kontinenten, so sieht sich Sonja Metzger, Tierärztin und Mitarbeiterin im Namibian Wild Dog-Project. Seit 2005 setzt sie sich mit Leib und Seele dafür ein, den langfristigen Erhalt der namibischen Wildhundpopulation zu sichern. Wir haben die Artenschützerin kurz vor ihrem Aufbruch nach Afrika über ihre Arbeit im Busch interviewt.

EHfT: Hatten Sie jemals Zweifel an Ihrer Entscheidung, in Namibia, und vor allem: im Busch, zu arbeiten?

Sonja Metzger: Nein, eigentlich nicht. Ich war ja schon vor meiner Tätigkeit beim Namibian Wild Dog Project mehrfach im Rahmen von Praktika und als Volunteer in Afrika und liebe die Arbeit im Busch.

EHfT: Wann sind Sie erstmals mit dem Thema "Afrikanische Wildhunde" in Berührung gekommen?

Sonja Metzger: Zum erstenmal habe ich Afrikanische Wildhunde vor ca. 10 Jahren, auf meiner ersten Afrikareise in einem Nationalpark in Botswana gesehen und war von den auffälligen, grazilen Raubtieren mit ihrem extrem ausgeprägten Sozialverhalten sofort absolut begeistert (sehr zum Unverständnis meiner Mitreisenden, die nur lapidar meinten, Sie wollten lieber Löwen und Leoparden sehen, Hunde gäbe es schließlich auch in Deutschland....)

EHfT: Was hat Sie daran so begeistert, um den weiten Weg nach Afrika zu wagen, um beim Projekt mitzuarbeiten?

Sonja Metzger: Afrikanische Wildhunde sind einzigartige, faszinierende Wildtiere und (abgesehen vom Äthiopischen Wolf (Canis simensis)) die am stärksten gefährdeten Großraubtiere des gesamten Afrikanischen Kontinents. Trotzdem sind sie bislang einerseits nur wenig bekannt (Löwen, Hyänen und Geparden kennt hierzulande spätestens seit „König der Löwen“ fast jedes Kind - Afrikanische Wildhunde dagegen kaum jemand) und haben andererseits zu Unrecht mit dem negativen Image, sie seien Schädlinge und besonders blutrünstige „Killer“ (Grund hierfür ist ihre missverstandene, äußerst effektive Jagdtechnik) zu kämpfen. Beides keine idealen Voraussetzungen, um als Spezies in unserer immer kleiner werdenden heutigen Welt langfristig überleben zu können, wie ich finde. Ich wollte durch meine Projektmitarbeit daher gerne versuchen, zumindest ein kleines bisschen daran zu ändern.

EHfT: Auf wie lange Zeit ist das Projekt angelegt? Was sind die Forschungsinhalte und Ziele?

Sonja Metzger: Das Namibian Wild Dog Project ist ein Langzeitprojekt, das 2002 von dem englischen Biologen Robin Lines unter dem Banner der Namibian Nature Foundation (einer akkreditierten gemeinnützigen namibischen Naturschutzorganisation) gegründet wurde und sich seither, durch Feldforschung und angewandten Wildtierschutz darum bemüht, das langfristige Überleben der namibischen Wildhundpopulation sicherzustellen. Die namibische Wildhundpopulation gilt als eine der letzten potentiell überlebensfähigen Wildhundpopulation auf dem gesamten Afrikanischen Kontinent und ihr Schutz ist daher für den Erhalt der gesamten Spezies (deren Bestand von Experten auf lediglich noch ca. 3000-5000 Exemplare in ganz Afrika geschätzt wird) von besonderer Bedeutung.
Konkret versucht das Projekt in Kooperation mit dem namibischen Umweltministerium, der lokalen Bevölkerung sowie anderen nationalen Organisationen,
den verbliebenen Lebensraum der namibischen Wildhundpopulation dauerhaft zu erhalten, sowie durch Feldforschung die Ökologie der Tiere und potentielle Gefahren, wie beispielsweise die Übertragung von Infektionskrankheiten durch lokale Haushunde, besser zu erforschen. (Seit 2005 werden in diesem  Zusammenhang zum Beispiel der Gesundheitszustand, die Demographie, sowie die Ökologie der lokalen Haushunde in der NyaeNyae Conservancy, dem momentanen Hauptstudiengebiet des Projekts näher untersucht und durch regelmäßige Surveys überwacht).
Des weiteren arbeitet das Namibian Wild Dog Project daran, durch Information und Aufklärung das negative Image der Wildhunde (sie werden ja leider auch heute noch häufig als besonders blutrünstige Killer und Schädlinge, die es zu vernichten gilt, abgestempelt) zu verbessern, ihren ökonomischen Wert für die lokalen Bevölkerung (z.B. durch Wildhund-  Tourismus) zu steigern und vor allem, den langjährigen Konflikt zwischen Menschen und Wildhunden einzudämmen und langfristig ein harmonischeres Zusammenleben von Mensch und Tier zu ermöglichen.

EHfT: Was fasziniert Sie so besonders an Afrikanischen Wildhunden?

Sonja Metzger: Ich denke, das sind mehrere Dinge:
Zum einen besitzen Afrikanische Wildhunde ein sehr ausgeprägtes und äußerst faszinierendes Sozialverhalten. Der Zusammenhalt innerhalb eines Wildhundrudels ist sehr stark: z.B. beteiligen sich alle Rudelmitglieder als „Babysitter“ oder durch das Hervorwürgen von vorverdautem Fleisch an der Aufzucht der häufig sehr großen Würfe der Alphahündin, verletzte Rudelmitglieder werden vom Rudel häufig durchgefüttert und auch bei der Jagd ist das Rudel stets eine eingeschworene Gemeinschaft. Zum anderen sind Afrikanische Wildhunde unglaublich mobile Tiere. Sie sind Nomaden, die den größten Teil des Jahres riesige Reviere (bzw. Streifgebiete) durchstreifen und dabei an einem einzigen Tag zig Kilometer zurücklegen können. Wildhunde zu finden ist daher unglaublich schwierig. Wenn Wildhunde z.B. am Morgen an einer bestimmten Stelle gesehen wurden, können Sie nur wenige Stunden später schon viele Kilometer entfernt sein. Sie tauchen einfach auf und verschwinden wieder. Manchmal kommt es einem fast so vor, als „jage“ man ein Phantom...

EHfT: Was genau ist Ihre spezielle Aufgabe und Funktion im Team?

Sonja Metzger:
Als Tierärztin bin ich natürlich hauptsächlich für das Betäuben von Wildhunden, das Sammeln von biomedizinischem Probenmaterial (z.B. Blut- und Haarproben) sowie für das Durchführen des Haushund- Monitorings in unserem Studiengebiet zuständig. Hierbei besuche ich zusammen mit einem einheimischen Übersetzer regelmäßig die Buschmanndörfer und Siedlungen innerhalb der NyaeNyae Conservancy und sammle Blutproben sowie Daten und Informationen zu Gesundheitszustand, Parasitenbefall, Demographie, Ökologie und Verhalten der lokalen Haushundpopulation. Da Wildhunde für verschiedene Hundekrankheiten, wie zum Beispiel Staupe und Tollwut sehr empfänglich sind, ist die Übertragung von Infektionskrankheiten durch lokale Haushunde eine potentiell große Gefahr für die namibische Wildhundpopulation- insbesondere da die tiermedizinische Versorgung in dieser entlegenen Gegend sehr beschränkt ist.
Nebenbei führe ich aber auch noch unsere Wildhundfotokartei und untersuche anhand von Kotproben die Nahrungsökologie und Beutezusammensetzung der Wildhundrudel in unserem Studiengebiet... Es gibt also eigentlich immer irgendetwas zu tun.

EHfT: Aus wie vielen Menschen besteht Ihr Team? Wer ist für was dort zuständig?

Sonja Metzger: Das Team besteht momentan aus dem Projektgründer und -leiter Robin Lines, der kurz gesagt für alles nicht- tiermedizinische zuständig ist: vom Fundraising, über die Logistik des Projekts, Campmanagement, (häufigen) Autoreparaturen bis hin zur wissenschaftlichen Leitung des Projekts, mir, der  Projekttierärztin und Feldassistentin, !ui und N!aici, den beiden Fährtenlesern des Teams und Kaice unserem Dolmetscher. (wir hatten in den letzten Jahren verschiedene Fährtenleser, unter anderem zwei Männer namens Slanger und Kxao, wie Sie beim Durchsehen der Fotos bemerken werden)
Personell unterstützt wird dieses Kernteam zeitweise durch Dr. Mark Jago und Dave How, von der Africat Foundation, die als erfahrene Piloten regelmäßig die Radio-Tracking Arbeit des Teams vom Flugzeug aus unterstützen.

EHfT: Wie ist das Verständnis und Auskommen untereinander? Gab´s auch schon mal so was wie "Lagerkoller"?

Sonja Metzger: Prinzipiell ist das Verständnis trotz mancher Sprachbarrieren untereinander recht gut, insbesondere solange wir im Busch unterwegs sind. Kleinere Missverständnisse und Reibereien gibt es aber natürlich trotzdem manchmal. Wenn man fast 24 Stunden am Tag, oft 7 Tage die Wochen nahezu ständig zusammen ist, bleibt so was natürlich nicht aus.

EHfT: Arbeiten in dem Projekt auch Einheimische mit?

Sonja Metzger: Selbstverständlich, ohne die fantastischen Kenntnisse und Fähigkeiten einheimischer Fährtenleser wäre es kaum möglich, Wildhunde überhaupt zu finden geschweige denn zu besendern. Es muss allerdings gesagt werden, dass es heutzutage leider gar nicht mehr so einfach ist, Buschmänner zu finden, die ihre traditionellen Fähigkeiten überhaupt noch besitzen. Das Leben der Menschen hat sich natürlich auch in diesem entlegenen Teil Namibias inzwischen verändert und traditionelle Fähigkeiten wie das Fährtenlesen, das Jagen und Sammeln verlieren immer mehr an Bedeutung. Dadurch dass das Wild Dog Project, einigen Leuten mit entsprechenden Fähigkeiten eine Verdienstmöglichkeit bietet, wollen wir auch versuchen der unschätzbar wertvollen Kunst des Fährtenlesens vielleicht wieder einen gewissen Wert und Sinn zu verleihen.

EHfT: Haben Sie mit Widerständen von Seiten der Regierung und Bürokratie zu kämpfen oder werden Sie gut unterstützt?

Sonja Metzger: Grundsätzlich wird das Projekt sehr gut unterstützt; wie immer, wenn man es (insbesondere als Ausländer) mit Behörden und Bürokratie zu tun hat, gibt es aber natürlich leider auch ständig wieder kleinere Widerstände und Verzögerungen. Da hilft nur Geduld und Hartnäckigkeit....

EHfT: Wie finanziert sich das Projekt?  Gibt´s Sponsoren? Kann man spenden?

Sonja Metzger: Das Projekt erhält keinerlei staatliche Unterstützung, sondern finanziert sich fast ausschließlich aus Spenden und Stipendien gemeinnütziger Stiftungen und Naturschutzorganisationen in Namibia, Großbritannien und den USA. Mithilfe dieser Gelder allein, ist die Feldarbeit des Projekts, insbesondere aufgrund der aufwendigen Logistik (z.B. hohe Benzinkosten, starker Fahrzeugverschleiß und hohe Reparaturkosten) jedoch leider nur schwer zu finanzieren. Das Namibian Wild Dog Project sucht daher stets interessierte Sponsoren, die die wichtige Arbeit des Projekts finanziell unterstützen möchten.

Kontakt:
NAMIBIAN WILD DOG PROJECT
Namibian Nature Foundation;
PO Box 245; Windhoek; Namibia
e-mail: wilddog@mweb.com.na
www.nnf.org.na/NNF_pages/wilddogproject.htm

Konto:     NNF/Wild Dog Project
Kontonr.: 1100061214  
NEDBANK of Namibia, Windhoek, Main Branch
Branch Code: 46160972
Swift Code:    NEDS NANX

EHfT: Was genau macht das Namibian Wilddog Project, um Namibias Wildhunde vor dem Aussterben zu bewahren? Betreiben Sie auch Aufklärungsarbeit vor Ort?

Sonja Metzger: Zum einen sammelt das Projekt durch seine Feldarbeit dringend benötigte grundlegende Informationen und Daten, die langfristig die Entwicklung eines effektiven und nachhaltigen nationalen Wildhund – Managementplans erlauben. Zum anderen bemüht es sich darum, den noch immer währenden Konflikt zwischen Menschen und Wildhunden einzudämmen und durch lokale und nationale Aufklärungsarbeit und Umwelterziehung das Image der Wildhunde zu verbessern und die namibische Bevölkerung für die Probleme und Gefährdung der Spezies zu sensibilisieren.      

EHfT: Erzählen Sie mir ein wenig über das Leben im Camp? Sind sie dort in einer Art Basis-Station oder ständig unterwegs, um den Wildhunden zu folgen? Wie sieht Ihr Leben dort aus? Wie gestaltet sich der Tagesablauf?

Sonja Metzger: Während der Feldsaison sind wir (5 Personen und 1 Hund) eigentlich den größten Teil der Zeit ständig im Auto und zu Fuß im Busch unterwegs. Sämtliche Ausrüstung, Benzin, Lebensmittel und Wasser für 5 bis 6 Tage führen wir dabei ständig mit, wir campen unter freiem Himmel (Zelte wären zu sperrig zu transportieren) und kommen eigentlich nur zum Basecamp zurück, um unsere Vorräte aufzufüllen oder mal etwas am Auto zu reparieren. Der Tagesablauf auf der Spur der Wildhunde ist häufig recht monoton und der Rhythmus wird weitgehend vom Sonnenstand vorgegeben. Der Arbeitstag beginnt gewöhnlich beim ersten Tageslicht und endet wenn es zum Fährtenlesen zu dunkel wird. Anschließend ist dann noch Zeit zum gemeinschaftlichen Essen am Campfeuer und Planen für den nächsten Tag, bevor dann gewöhnlich recht schnell einem nach dem anderen die Augen zufallen. Man weiß ja schließlich nie, was der nächst Tag so bringen wird.

EHfT: Wie folgen Sie den Tieren bzw. wie spüren Sie sie auf?

Sonja Metzger: Um unbesenderte Wildhundrudel zu finden verlassen wir uns hauptsächlich auf eine Kombination aus traditioneller Fährtenlesekunst unserer lokalen Ju/hoansi – Fährtenleser sowie aus viel Geduld und Ausdauer. Oft kann es  Wochen dauern, bis wir eine frische  und brauchbare Wildhundfährte finden und auch dann führt diese Fährte natürlich nicht immer zu einem aktiven Wildhundbau. Aus diesem Grund besuchen wir zusätzlich regelmäßig die verschiedenen Dörfer und Siedlungen innerhalb der NyaeNyae Conservancy und erkundigen uns bei den Bewohnern nach möglichen Hinweisen. Zudem ermutigen wir die Bewohner durch das Aussetzen entsprechender Belohnungen, uns bei der Suche zu helfen.

EHfT: Gab´s dabei schon mal gefährliche Situationen oder andere aufregende Erlebnisse?

Sonja Metzger: Gleich an meinem aller ersten Tag im Buschmannland, hatte es sich, wohl quasi als Begrüßungskomitee, eine Puffotter direkt unter meinem Zelt gemütlich gemacht....
seitdem schaue ich stets etwas genauer, wohin ich trete.
Ansonsten empfinde ich die Arbeit im Busch, obwohl wir fast stets unter freiem Himmel schlafen als nicht wirklich gefährlich. Aufregende Erlebnisse gibt es aber genug: vom ausgewachsenen Elefantenbullen, der nachts nur ein paar Meter von unseren Schlafsäcken entfernt gemütlich durch unser Camp trottete, über Buschfeuer und schwarze Mambas bis hin zum Wildhundtracking vom Flugzeug aus.

EHfT: Gibt´s etwas über kleine Katastrophen im Alltag zu berichten?

Sonja Metzger: Die größte Katastrophe in einer so abgelegenen Gegend wie der NyaeNyae Conservancy, fast ohne Infrastruktur und knapp 300 km entfernt von der nächsten Tankstelle und der nächsten Autowerkstatt ist (abgesehen von Zahnschmerzen) ein nicht einwandfrei funktionierendes Auto. Autopannen gehören bei unserer Arbeit aber leider schon fast zur Tagesordnung und auch 5-6 platte Reifen an einem einzigen Tag sind durchaus keine Seltenheit. Vielleicht hätte ich ja doch besser KFZ- Mechaniker werden sollen...

EHfT: Wie ist es, lange Zeit von der "Zivilisation" abgeschnitten zu sein und im Busch unterwegs zu sein?


Sonja Metzger: Ich genieße es eigentlich immer sehr, im Busch unterwegs von der "Zivilisation" abgeschnitten zu sein und zu sein. Heutzutage ist es ja schon geradezu ein Privileg einmal längere Zeit nicht erreichbar zu sein!) Außerdem weiß man viele Dinge des täglichen Lebens anschließend viel mehr zu schätzen (z.B. eine Dusche, Kino, Supermärkte...). Nur bei Autopannen und dem x-ten Reifenplatzer in Folge wünscht man sich doch ab und zu, man könnte einfach den nächsten Pannendienst anrufen.

EHfT: Wie kommunizieren Sie mit zu Hause?

Sonja Metzger: In Tsumkwe (das ist die zentralen „Stadt“ der NyaeNyae Conservancy) gibt es Telefon, das sogar gelegentlich funktioniert, sowie seit einiger Zeit sogar Handyempfang – allerdings nur in einem Umkreis von 15 Kilometer um den Sendemast herum. Ab und zu ist ein Telefongespräch mit Deutschland also durchaus möglich.

EHfT: Wie anstrengend muss man sich die Arbeit im Busch vorstellen?
Und: Hatten Sie schon mal überlegt, einfach alles hinzuwerfen?

Sonja Metzger: Die Arbeittage im Busch sind gewöhnlich recht lang und beinhalten häufig mehrstündige Märsche über Stock und Stein und durch dichtes Gebüsch. Außerdem schlaucht der Wechsel zwischen warmen Tagen mit brennender Sonne und oft bitterkalten Nächten. Aber daran gewöhnt man sich schnell.
Wirklich überlegt, alles hinzuwerfen habe ich mir bisher eigentlich nicht, auch wenn es manchmal ziemlich frustrierend sein kann, wenn man, wie es häufig der Fall ist, tage- und wochenlang unterwegs ist, ohne auch nur eine einzige Wildhundspur zu finden.

EHfT: Was tun sie, um ihren Enthusiasmus am Laufen zu halten?

Sonja Metzger: Ein Stück Schokolade wirkt da manchmal Wunder...

EHfT: Wie entspannen Sie sich am liebsten?
Sonja Metzger: Abends am Lagerfeuer mit einer Tasse heißer Schokolade oder einem kühlen Bier (je nach Jahreszeit...) und „Projekthund“ Suni auf dem Schoß.

EHfT: Was geht Ihnen so durch den Kopf, wenn Sie Wildhunde beobachten?

Sonja Metzger: Was für ein Privileg es ist, diese fantastischen Tiere in freier Wildbahn beobachten zu können und welch unglaublicher Verlust es wäre, wenn diese einigartige Spezies tatsächlich aussterben würde.

EHfT: Wie viel Zeit im Jahr verbringen Sie vor Ort in Afrika, wie viel in Deutschland? Würden Sie Ihr Leben als modernes Nomadentum bezeichnen?

Sonja Metzger: In den vergangenen 2 Jahren war ich jeweils 6 bis 8 Monate in Afrika und den Rest der Zeit in Deutschland. Ob mich das schon zum modernen Nomaden qualifiziert, weiß ich nicht. Vielleicht bin ich eher eine Art Pendler zwischen zwei Kontinenten ?

EHfT: Lieben Sie es, so viel unterwegs zu sein?

Sonja Metzger: Auf jeden Fall ! Die Welt hat zu viel zu bieten, um ständig nur an einem Ort zu bleiben.

EHfT: Würden Sie sagen, dass Namibia so etwas wie eine zweite Heimat für Sie geworden ist?

Sonja Metzger: Auf jeden Fall. Als ich vor knapp 10 Jahren zum erstenmal nach Namibia kam, habe ich mich dort sofort einfach wie zu Hause gefühlt. Namibia ist ein unglaublich schönes und abwechslungsreiches Land: mit faszinierenden Landschaften, netten Menschen und einer fantastischen Tierwelt.

EHfT: Können Sie sich vorstellen, auf Dauer in Afrika zu bleiben?


Sonja Metzger: Afrika ist ein Kontinent der Extreme– entweder man hasst ihn oder er lässt einen nicht mehr los ! Ich persönlich würde sehr gerne auf Dauer in Afrika bleiben. Vorrausetzung hierfür wäre allerdings leider, dass ich dort irgendwann einmal einen bezahlten Job finde. Von Enthusiasmus und Begeisterung für seine Arbeit und Forschung alleine kann man nämlich leider auch tief im afrikanischen Busch auf Dauer nicht leben. Traurig aber wahr...

EHfT: Arbeiten Sie als Tierärztin in Deutschland?

Sonja Metzger: Nein, bislang habe ich (abgesehen von einzelnen Hospitanzen) in Deutschland noch nicht als Tierärztin gearbeitet; es wäre wohl auch nicht ganz einfach, eine Stelle zu finden, bei der ich einfach mal so mehrere Monate im Jahr frei nehmen könnte, um nach Afrika zu fahren...

EHfT: Beteiligen Sie sich - hier oder im Ausland - an weiteren Schutzprojekten?

Sonja Metzger: Ja, jetzt im März werde ich für einige Wochen beim Brown Hyena Research Project (Projektleiterin: Frau Dr. Ingrid Wiesel) im Sperrgebiet im Südwesten Namibias mitarbeiten
(worauf ich mich natürlich schon sehr freue)

EHfT: Wie sehen Ihre nächsten Zukunftspläne aus? Haben Sie spezielle Träume und Wünsche, die Sie für sich gerne verwirklicht sehen möchten?

Sonja Metzger: Ich hoffe natürlich, dass das Namibian Wild Dog Project noch lange weitergeführt werden kann und seinen Beitrag zum langfristigen Erhalt der namibischen Wildhundpopulation leisten kann.
Mein momentan größter persönlicher Wunsch wäre es, doch irgendwann noch einmal meine Doktorarbeit im Bereich der Wildtierforschung zu machen. Ob dies im Rahmen des Namibian Wild Dog Projects möglich sein wird, kann ich noch nicht sagen.
In Afrika möchte ich aber auf jeden Fall bleiben.