Titelseite der Tierzeitschrift Ein Herz fuer Tiere

 

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Gaela und „Crazy-Champ“

Die Geschichte einer Mitternachtsadoption

Wunder gibt es immer wieder, große und kleine, Wunder der Natur, besonders auch das Wunder der Geburt – immer wieder faszinierend und berührend.
Ich schildere Ihnen hier eine nicht alltägliche Geschichte, ein kleines Wunder, zunächst mit tragischem Ausgang, dann aber mit einem unerwarteten Happyend!


Die Braaskate in Goltoft an der Schlei, eines der ältesten und schönsten Baudenkmäler der Region, hatte ich Ihnen bereits vorgestellt (Hestur Nr. 132). Auf diesem stilvollen Anwesen leben – neben der Familie Nowak mit ihrem Jagdhund und etwa 25 Rauhwolligen Pommerschen Landschafen – Gaela und Dimmalimm, zwei Islandfuchsstuten. Dimmalimm bekam im vergangenen Jahr nach teils schwierigen Phasen der Trächtigkeit ein gesundes, kräftiges Stutfohlen, Braunfarbwechslerin – Dimja von der Braaskate.
Nun sollte auch die vierzehnjährige Gaela ihr Fohlen bekommen. Als Deckhengst wurde der Schimmelschecke Mani vom Distelhof, Hof Grönholm/Sillerup/SL-FL, ausgewählt. Nach völlig problemloser Zeit der Trächtigkeit gebärt Gaela in den frühen Morgenstunden des 1. Mai 2008 ein vollentwickeltes Rappscheckstutfohlen – leider tot! 348 Tage ausgetragen, vermutlich beim Geburtsvorgang gestorben. Ein Schock für die ganze Familie!
Immer wieder stubst Gaela ihr Fohlen an, will es zum Aufstehen anstoßen, zum Leben animieren – vergeblich.
Auch wenn es aussichtslos erscheint, meldet Alexandra Nowak die Islandpferdemutter unverzüglich bei der telefonischen Fohlennothilfehotline und verschiedenen Internetportalen als Ammenstute an, denn die Kolostralmilch tropft nur so aus Gaela heraus.
Und wirklich, Zufall oder ein kleines Wunder:
Am Abend des 1. Mai meldet sich die  Holsteinerzüchterfamile Gosch aus  Bohnert an der Schlei/RD-ECK. Ihre Staatsprämienstute Inwarness v. Accord-Silvester war wenige Stunden nach der Geburt ihres Hengstfohlens am 1. Mai  in der Tierklinik gestorben. Das Fohlen konnte gerettet werden und brauchte nun dringend eine Amme.
Gegen Mitternacht wird auf dem Hof Braaskate die Zusammenführung geprobt.
Kaum zu glauben, es klappt: Gaela beschnuppert das fremde Fohlen, leckt es, sucht seine Nähe, nimmt es tatsächlich an. Tränen stehen den Beteiligten in den Augen, Tränen der Rührung, der Erschöpfung, der Trauer, aber auch des Glücks.
Es ist ein komisches Bild, die kleine Islandpferdemutter und ihr langbeiniges Holsteinerfohlen, das sich schon gehörig bücken muss, um an die Milch seiner Mutter zu gelangen. Aber es funktioniert; die ersten Wochen sind überstanden, Crazy-Champ wächst und gedeiht, tollt herum, entwickelt sich prächtig. Die beiden sind unzertrennlich und genießen ihre gemeinsame Zeit im Stall und auf der Weide auf dem Reitbetrieb der Familie Gosch– einfach fantastisch, für uns bei aller Tragik ein kleines Wunder!

Übrigens: Crazy-Champ hat den Holsteinerhengst Con Air zum Vater, der von dem bekannten Springreiter Otto Becker geritten wird. Con Air ist wiederum ein Sohn des berühmten Springpferdes und Vererbers Contender.
Vielleicht wird Crazy-Champ – wenn alles weiter gut geht – später auch ein erfolgreiches Springpferd. Wir werden sehen!

© Peter Plähn