Zugereiste Tiere und Pflanzen

Tiere und Pflanzen aus fremden Ländern breiten sich laut deutschen Forschern immer weiter aus. Einige tun der hiesigen Natur sehr gut, andere verdrängen heimische Arten.


Das Froschkonzert ist verstummt

Im Frankfurter Stadtwald ist ein traditionelles Froschkonzert verstummt. Es gibt keine Springfrösche mehr im Jakobiweiher, keine Molche, keine Wasserfrösche. Alle werden schon als Kaulquappen von den Fischen aufgefressen, die hier gar nicht hergehören: der Sonnenbarsch, sein Landsmann, der Zwergwels, oder der Blaubandbärbling. Oder auch die Rotwangenschmuckschildkröte, ein besonders in den 70er Jahren bei Aquarienfreunden beliebtes Tier, das, sobald es über die niedliche Fünfmarkstückgröße hinausgewachsen war, ins nächste Gewässer entsorgt wurde. Zum Leidwesen der heimischen Lurche, weiß das Forschungsinstitut Senckenberg. Von den übermächtigen Konkurrenten aus Übersee werden im Naturschutzgebiet Enkheimer Ried auch die letzten Europäischen Sumpfschildkröten bedrängt, im Naturschutzgebiet Nachtweide von Patershausen sind es die Laubfrösche. Darum haben Naturschützer vom BUND letzten Sommer mit speziell konstruierten Schwimmfallen die Fangsaison auf die Rotwangen eröffnet. Natürlich sollen die aus den Schutzgebieten gefischten Exoten bei zuverlässigen Haltern gut untergebracht werden, wo sie ohne Schaden anzurichten alt werden dürfen.

Mancher Nimmersatt hat sich breit gemacht

Und noch ein Amerikaner, der sich hier zunehmend unbeliebt macht: der nimmersatte Ochsenfrosch. Eigentlich hatte man ihn seiner leckeren Schenkel wegen und auch als exotischen Besatz für Teiche nach Europa importiert. Doch der grüne Riese hat sich sehr erfolgreich selbstständig gemacht. Insekten, Fische, andere Frösche und sogar Schlangen, Mäuse und Vögel fressen die Tiere, die bis zu drei Meter weit springen können. Ungehindert breiten sie sich aus, denn sie haben hier keine natürlichen Feinde. In Karlsruhe macht man jetzt Jagd auf die gierigen Räuber.

Neue Arten harmonieren mit Alteingesessenen

Freilich machen nicht alle Neubürger Ärger. Im Gegenteil, viele von ihnen sind gern gesehen. Sie schaden nicht und gefährden auch keine anderen. Die Mandarinente aus Ostasien zum Beispiel. Als Höhlenbrüter muss sie nicht mit anderen Enten um Nistplätze konkurrieren. Zudem gibt es nur einige kleine frei fliegende Populationen zumeist in Parks mit langsam fließenden Gewässern. Und auch die aus Afrika stammende Nilgans verträgt sich gut mit alteingesessenen Wasservögeln. Im südlichen Europa sind viele Prachtfinken sesshaft geworden. Unter ihnen Zebrafinken und Silberschnäbelchen. Bedrohung für die heimische Vogelwelt ist bisher nicht erkennbar, sagen Biologen. Doch man will die Vögelchen für alle Fälle im Auge behalten.

Fremde Arten breiten sich immer weiter aus

Tiere und Pflanzen aus fremden Ländern breiten sich laut deutschen Forschern immer weiter aus. So stammen allein 15 Prozent der Meerestiere in Europas Gewässern ursprünglich nicht aus diesem Gebiet, sagte Prof. Wilfried Westheide auf der Jahrestagung der Zoologischen Gesellschaft in Osnabrück. Ursache: die weltweiten Warentransporte, bei denen Tiere und Pflanzen als blinde Passagiere mitreisen.

Weltweit werden Tiere und Pflanzen verschleppt

Und ein Ende der unfreiwilligen tierischen Völkerwanderung ist, so Professor Westheide, nicht in Sicht. Wenn ein Tankschiff mit Wasser beschwert seinen Rückweg antrete, habe es ungewollt unzählige Lebewesen an Bord. Und auch Holztransporte tragen in den Wäldern zu einer weltweiten Vermischung von Tier- und Pflanzenarten bei. In Deutschland sind Probleme durch eingeführte Neozoen, wie Biologen die Neubürger unter den Tieren nennen, gering im Vergleich zu anderen Regionen der Welt, erklärte letzten Sommer das Bundesamt für Naturschutz anlässlich des „Internationalen Tages der biologischen Vielfalt der Vereinten Nationen“.

Ameisen töten Landkrabben

Doch anderswo gab es schon Katastrophen, wie auf den Weihnachtsinseln im Indischen Ozean. Dort hat die eingeschleppte Ameise Anoplolepis gracilipes in anderthalb Jahren allein drei Mio Landkrabben getötet. Diese Krabben spielten eine wichtige Rolle im Ökosystem der Inselgruppe. Oder auf der Pazifikinsel Guam. Eine im zweiten Weltkrieg mit Nachschubgütern eingeschleppte Baumschlange rottete mehr als ein Dutzend Vogelarten aus. Natürlicherweise gibt es auf dieser Insel keine Schlangen, so dass die Vögel kein Fluchtverhalten entwickelt haben. Das wurde ihnen zum Verhängnis.

Vorsicht beim Import exotischer Arten

Vorsicht ist also nie verkehrt. Zum überlegten Umgang mit gebietsfremden Arten rief das Bundesamt für Naturschutz auf, vor allem beim Import, d.h., Finger weg von unbekannten exotischen Pflanzen für Gärten, von fremden Fischen für die Sportfischerei und von tierischen Mitbringseln aus Urlaubsländern. (Nina Blersch)