Wie überleben Fische unter Wasser?

Fische stellen die älteste und artenreichste Gruppe unter den Wirbeltieren dar. In Jahrmillionen haben sie ausgefeilte Techniken entwickelt, die ihnen das Überleben unter Wasser sichern.

Foto: Thomas Brodmann / animals-digital.de

Etwa 70 Prozent der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt. Vom sprudelnden Bergbach bis zu den unendlichen Weiten der Weltmeere ergeben sich daraus unzählige verschiedene Lebensräume. In Millionen von Jahren haben die Fische fast jeden Winkel durch ihre besondere Anpassungsfähigkeit besetzt.

Der Trick mit der Schwimmblase

Würden Fische immer in derselben Tiefe schwimmen, bräuchten sie keine Schwimm- blase, denn dann hätten sie ihr Körpergewicht wohl „einfach“ an die Umgebung angepasst. Durch das ständige Auf und Ab kommt diesem Organ jedoch eine wichtige Rolle zu. Das Vergrößern bzw. Verkleinern der Schwimmblase dient dazu, das spezifische Gewicht des Fisches dem des umgebenden Wassers anzugleichen. Dadurch schweben sie im Prinzip und benötigen wenig Energie. Welchen Unterschied das ausmachen kann, weiß jeder, der schon einmal mit purer Kraftanstrengung als Schnorchler auf fünf Meter Tiefe getaucht ist oder aber sich als Taucher mit Bleigürtel und luftgefüllter Weste einfach absinken bzw. auftreiben hat lassen.

Das schöne Leben unter Wasser ist nur halb so schön, wenn man ein Wal ist, denn diese müssen zum Atmen immer wieder an die Oberfläche kommen. Da haben es die Kiemenatmer schon einfacher. Feinste Blutgefäße in den Kiemen sind in der Lage, den im Wasser enthaltenen Sauerstoff aufzunehmen und gleichzeitig Kohlendioxid abzugegeben. Dass es auch von Vorteil sein kann, beides zu beherrschen, zeigen unsere Labyrinthfische. Sie können auch atmosphärische Luft an der Wasseroberfläche einatmen, wodurch sie in der Lage sind, in extrem sauerstoffarmem Wasser zu überleben.

Die Umgebung erfühlen

In unseren Aquarien ist es für die Fische kaum ein Problem, die Übersicht zu behalten. Sobald es aber dunkel oder die Sicht eingeschränkt ist, wird es schwierig. Dann kommt die „Seitenlinie“ zum Einsatz: An beiden Flanken läuft eine (zum Teil sichtbare) Porenreihe über den Körper. Diese Poren führen zu einem Kanal, der mit einer schleimigen Masse ausgefüllt ist. Je nachdem, aus welcher Richtung nun Wasserdruckwellen auftreffen, biegen sich die in der Gallerthülle enthaltenen Sinneszellen in eine bestimmte Richtung und zeigen dem Fisch exakt an, aus welcher Richtung sich ein Freund oder Feind nähert.

Bei Letzterem ist im Allgemeinen sofortige Flucht angesagt. Dann kommen die Flossen zum Einsatz, zumeist sieben an der Zahl. Durch abwechselnden Zug der Seitenmuskeln bewegen sich die Fische praktisch „schlängelnd“ vorwärts, was bei genauer Beobachtung in unseren Aquarien nachvollzogen werden kann. Die Rücken-, After- und Schwanzflosse machen diese Wellenbewegung mit oder unterstützen sie aktiv (besonders die Schwanzflosse mit ihrer kräftigen Muskulatur). Die Brust- und Bauchflossenpaare steuern, bremsen und halten das Gleichgewicht. Mit dieser perfekten Rundumausstattung sind Fische in der Lage, sich in alle Richtungen vorwärtszubewegen. (Autor: Thomas Brodmann)