Treue, Ehe & Eifersucht – das alles gibt es auch im Tierreich

Ebenso wie die Femme fatale, das Mauerblümchen und den unersättlichen Prahlhans. Und, wie bei uns Menschen auch, steht das weibliche Geschlecht auf Geschenke, tolles Aussehen und Kunststücke.

Wonnemonat Mai? Von wegen! Heiratswillige, die auf den schönen Herbst setzten, befinden sich in bester tierischer Gesellschaft.

Zum Beispiel beim Wild geht’s im September ziemlich wild zu. Durch Europas Wäldern tönt das Brunftgeschrei paarungswilliger Rothirsche, in Sibirien kann man Rentiere beim Liebesspiel überraschen und IKEAs Wahrzeichen kümmert sich ebenfalls engagiert um die Erhaltung seiner Art. Die Bullen umwerben beinahe „romantisch“ ihre jeweiligen Lieblings-Elchkühe – im Gegensatz zu männlichen Rothirschen. Hier kommt nur der Stärkste zum Zug und beglückt gleich mehrere Damen. Die Schwächeren, die bei den Rangordnungs-Kämpfen unterlegen sind, haben das Nachsehen.

Auch „Down under“ werden im September zarte Liebesbande geknüpft. Im australischen Frühling zeigen nicht nur Koalas Frühlingsgefühle. Zwei kleine Tiere mit langen Namen praktizieren ein seltsam anmutendes Paarungsritual, das im September seinen Höhepunkt erreicht:

Die Swainson- und Stuart- Breitfußbeutelmaus zelebriert 14 Tage lang „Paarung nonstop“. Ist die Orgie vorbei, sterben alle Männchen eine Art Erschöpfungstod. Bis zur Geburt des gezeugten Nachwuchses gibt es nur noch Weibchen. Die neuen Männchen erleben wiederum nur eine Paarungs-Saison, bei der sie sich total verausgaben...

Gesitteter geht es bei den Vögeln zu. Hier ist die Ehe fast die Regel. Zu einer ordentlichen Vogelhochzeit gehört natürlich auch die Verlobung. Feldsperlinge, um nur ein Beispiel zu nennen, verloben sich vor Erreichen der Geschlechtsreife bereits im Herbst ihres ersten Lebensjahres. Da turteln und schnäbeln selbst sie wie die Tauben und bleiben auch außerhalb der Fortpflanzungszeiten zusammen. Wenn ein ganzer Schwarm plötzlich von Balzstimmung ergriffen wird, kann’s schon mal passieren, dass ein frivoler Feldsperling einen Flirt mit einer bereits Vergebenen wagt. Dann schreitet sofort der rechtmäßige Gatte ein und droht dem Nebenbuhler mit erhobenem Kopf. Geraten mehrere Paare in solch eine Eifersüchtelei, kann es zu einem lautstarken Spektakel kommen!


Diamonds are a girl’s best friends

Zu einer Hochzeit gehören Hochzeitsgeschenke, was bei Vögeln sehr beliebt ist. Aber auch andere Tiere kennen diesen Brauch. Manche Spinnenmännchen bringen zum Rendezvous ein Picknick mit: eine noch lebende, in Spinnfäden eingewickelte Fliege. Meist machen sich die Damen ganz schnell über den Leckerbissen her. Verspeisen sie die Vesper nicht gleich, kann’s ihnen schon mal passieren, dass das Spinnenmännchen nach vollbrachter Liebesakrobatik sein Proviant-Paket schnappt und sich zur nächsten auf und davon macht.

Die Mormonenheuschrecken bringen ihrer Liebsten ebenfalls ein Eiweiß-Bündel mit. Der mühsam gesammelte Powersnack soll natürlich nicht der erstbesten, sondern der allerbesten Heuschreckendame überreicht werden. In diesem Fall ist das die schwerste, die mit den meisten Eiern. Wie er feststellt, ob seiner Auserwählten das Geschenk gebührt? Er stemmt sie kurzerhand in die Höhe. Erscheint sie ihm zu leicht, sprich mit zu wenig Eiern beladen, macht er sich schnell wieder aus dem Staub.
Der amerikanische Schmetterling Rattlebox Moth bringt als Hochzeitsgeschenk eine Art „Lebensversicherung“ mit. Die Männchen fressen giftige Pflanzen und riechen danach. Gezielt wählt das Weibchen den größten „Alkaloid-Stinker“ aus. Bei der Paarung nimmt sie diesen Geruch an. Sollte sie nun in die Verlegenheit kommen, sich versehentlich in einem Spinnennetz zu verfangen, wird sie von der Spinne wieder fein säuberlich aus dem Netz herausgeschnitten.

Lockruf der Wildnis

Um die Zukünftige auf sich aufmerksam zu machen, halten die Tiere ein Riesen-Repertoire bereit. Es wird gesungen, getanzt, gequakt, geleuchtet, geblinkt und geklopft. Oder geduftet. Das Samtfaltermännchen ist die echte zarteste Versuchung: Es riecht nach Schokolade! Oft macht auch einfach der Schönste das Rennen.

Oft werfen sich die Herren der Schöpfung – très chic – in ein Hochzeitsgewand: Fische bekommen auffällige Farbmuster, Eidechsen locken mit farbiger Kehlhaut und leuchtenden Flanken, und Molche bekommen einen feurigen Kamm.

Der Pfau macht seinem Zusatzprädikat „eitel“ alle Ehre und stolziert das ganze Jahr im Hochzeitsanzug herum. Übrigens ist der Hahn mit den meisten Pfauenaugen Favorit der Damenwelt... 

Dem Biber ist dagegen sein Aussehen egal. Sein Fell muss den rauen Alltag gut überstehen und vor allem praktisch sein. Dafür ist er Frau Biberin treu, baut ihr ein schickes Souterrainhaus am Fluss und outet sich als besonders zärtlicher Liebhaber: Bauch an Bauch mit seiner Ausgewählten schwimmend sorgt er im natürlichen Pool für Liebeswonnen... (Autor: Angelika Schmidt)