Auch Tiere haben Spaß
Dass auch Tiere Spaß am Leben haben, noch als Erwachsene spielen und lustigen Unfug treiben, ist eine bislang noch wenig beachtete Tatsache. Doch jetzt hat der Verhaltensforscher Jonathan Balcombe Vergnügliches zusammengetragen.
Was bringt einen Pinguin dazu, in unbeholfener „Drei-Schritte- vor-und-zwei- zurück“-Technik mühsam einen rutschigen Eishang hinaufzuwatscheln, oben zwei Sekunden zu verharren und sich dann kopfüber in die eisigen Fluten zu stürzen? Und das, ohne auch nur ansatzweise den Versuch zu unternehmen, dabei einen Fisch oder etwas anderes Nahrhaftes zu fangen? Und dann wieder aufzutauchen und sich flugs bei seinen Pinguin- Kumpels hinten anzustellen, um das augenscheinlich sinnlose Tun zu wiederholen? Ganz klar: Er will Spaß!
Denn wer Energie und Wärme vergeudet, ohne dass es einen biologischen, lebenserhaltenden Sinn hat (etwa auf Beutejagd zu gehen oder für Nachwuchs zu sorgen), kann das eigentlich nur aus purer Lust an der dabei empfundenen Freude machen. Die Fähigkeit zu Emotionen wurden Tieren lange Zeit abgesprochen. Es hat lange gedauert, bis man auch wissenschafltlich belegte, dass Tiere trauern. Doch mittlerweile werden sich auch immer mehr Wissenschaflter klar darüber, dass Tiere nicht nur Kummer, sondern auch Freude und Spaß empfinden können.
Spiel und Spaß ziehen sich quer durchs gesamte Tierreich. Während das Spielen vor allem unter den jungen und heranwachsenden Tieren eine wichtige Rolle einnimmt, etwa um Verhaltensmuster zu festigen, Muskeln zu trainieren und spielerisch zu erproben, was später einmal lebenserhaltend werden kann, ist Spaß allgemein als Freude an einem bestimmten Tun definiert, ohne speziellen biologischen Sinn. Zumindest nicht auf den ersten Blick.
Spaß bringt einen weiter im Leben
Denn auch Dinge, die vordergründig nicht der Evolution und dem Vorankommen der Art dienen, sind auf den zweiten Blick wichtig für ihr FortbestehenWill heißen: Dass die Natur dafür gesorgt hat, dass Tiere positive Erlebnisse auch als solche wahrnehmen, sichert letztendlich ihr Überleben – einfach nur, weil es gut tut. Tiere suchen förmlich nach Freude und finden sie in den verschiedensten Dingen und Handlungen: auch im Spiel. Denn Spiel und Spaß schließen sich natürlich nicht aus. Im Gegenteil: Oft bedingen sie einander gegenseitig oder überschneiden sich.
Die große Lust am kleinen Unfug ist weit verbreitet
Die Lust am Vergnügen zieht sich quer durch alle Tiergruppen. Ob Säugetiere oder Vögel, Primaten oder „niedere“ Tiere – von vielen ist bekannt, dass sie tierischen Spaß am Leben haben. Die Lust am Unfug macht selbst vor Ratten und Schweinen nicht halt. Erstere kitzeln sich gerne, letztere spielen liebend gerne mit Bällen.
Kindische Bären tauchten bereits vor 150 Jahren in „Brehms Tierleben“ auf, von Affen, denen allerlei Schabernack einfällt, ganz zu schweigen. Warum baden Japanmakaken in heißen Thermen und rollen Schneebälle, warum springen Delfine vergnügt in hohen Sprüngen aus dem Wasser, warum surfen Robben auf den Wellen? Ganz einfach: Weil es ihnen Spaß macht. Von Doktorfischen etwa weiß man, dass sie, wenn ihnen langweilig ist, Luftblasen ausblubbern, sie nach oben steigen lassen und ihnen dann hinterherjagen. Wer will dahinter etwas anderes als Spaß vermuten? (Autor: Dr. Angelika Huber)
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