Das Mekka der Vogelfreunde
Die Nordsee-Insel Helgoland bietet Urlaubern nicht nur wunderschöne Fleckchen zum Entspannen, sondern auch eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt. Besuchen Sie die Unterwasserwelt des Meerwasseraquariums oder beobachten Sie Hochseevögel beim Brüten.
Helgoland ist kaum mehr als ein kleines rotes Eiland, mitten in der Nordsee. Aber es ist auch ein einzigartiger Flecken Natur. Im Felswatt der Insel leben völlig andere Tiere und Pflanzen als im übrigen Wattenmeer, der Vogelfelsen ist ein beeindruckender Brutplatz für Hochseevögel und im Frühjahr und Herbst machen Ströme von Zugvögeln hier Halt.
Ebbe und Flut als Reiseführer
Das Wichtigste für jeden Nordsee-Urlauber ist der Tidenkalender. Auch auf Helgoland. Selbst wenn man nur auf einen Tagesausflug auf Deutschlands einziger Felseninsel vorbeischauen will. Ebbe und Flut bestimmen, wo ein Besucher hingehen kann und was er von der Natur Helgolands zu sehen bekommt.
Am meisten enthüllt die Insel bei Ebbe. Wenn sich die Wogen der Nordsee zurückziehen, ist es für ein paar Stunden möglich, am Fuß der Felsklippen entlangzulaufen. Das Felswatt dort ist völlig anders als das Wattenmeer der übrigen deutschen Nordseeküste mit seinem Sand- oder Schlickwattboden. Vor Helgoland bilden Algen und Tange bei Hochwasser regelrechte Unterwasserwälder. Bei Ebbe breiten sie sich über die trocken fallenden Felsen aus (deshalb unbedingt rutschfeste Schuhe mit Profilsohlen anziehen!). Zwischen dem Tang und den Steinen sind Seepocken, Einsiedlerkrebse, Strandkrabben und -schnecken, Blumentiere oder Seesterne leicht zu entdecken.
Noch weiter ins Meer hinein führt das Meerwasser-Aquarium der Biologischen Anstalt Helgoland am Nordosthafen. In 40 beeindruckenden Schauaquarien gibt es Einblick in die Unterwasserwelt der Nordsee. Da sind die farbenprächtigen Blumentiere des Felsenwatts wieder, Seesterne auf der Jagd, aber auch Schollen und Seezungen, deren Tarnung im Sand kaum zu durchschauen ist, Seewolf und Katzenhai und eine weitere Besonderheit von Helgoland: die bis zu 80 cm großen Europäischen Hummer.
Gedränge am Vogelfelsen
Das Wahrzeichen Helgolands ist die „Lange Anna“, ein 58 m hoher, freistehender Felsturm. So malerisch er auch aussieht, auf dem nahen Vogelfelsen ist mehr los. Mehr als 15.000 Hochseevögel brüten hier jeden Sommer in direkter Nachbarschaft zum Wanderweg oben auf den Klippen. Vielen Vögeln kann man von dort direkt in die Nester schauen. Das Gedränge auf dem Felsen ist beängstigend. Jeder Sims, jeder Vorsprung, jede Aussparung ist mit Vögeln besetzt. Und die Luft ist voller Vögel, die landen oder abfliegen, und voller Geschrei.
Das scheinbar totale Chaos zeigt bei genauerem Hinschauen Ordnung und System. Das ganze Vogel-Hochhaus ist wie in Wohnungen aufgeteilt. Jede Vogelart hat ihren Platz und geht anderen aus dem Weg: Die schwarz-weißen Trottellummen z.B. brüten dicht gedrängt auf den seewärts gerichteten Felsenrändern; die Dreizehenmöwen bauen ihre Algen-Nester auf die schmalsten Simse und überlassen die größeren Vorsprünge den streitbaren Silbermöwen. Eissturmvögel besetzen Nischen und Auskerbungen im Fels, und Basstölpel bevorzugen breite, flache „Dachterrassen“. Die Zahl der Vögel nimmt in den letzten Jahren stetig zu. 1972 wurden die ersten Brutversuche der Eissturmvögel notiert und 1991 das erste Basstölpelpaar. In diesem Jahr waren es 80 Brutpaare der eleganten Flieger.
Von Mai bis Juli ist Hochsaison am Vogelfelsen und bei den menschlichen Besucherzahlen. Die Vögel stören sich nicht daran, und auch nicht die Seehunde und Kegelrobben, die sich auf der 660 m entfernten Helgoländer Düneninsel neben Badegästen sonnen.
Im Frühjahr und Herbst ist Helgoland das Mekka der Ornithologen aus aller Welt (und auch der Fotografen). Unglaublich große Schwärme von Zugvögeln machen auf diesem Eiland in der Nordsee Rast. Hier werden mehr seltene Vogelarten gesichtet als an jedem anderen Punkt in Deutschland. Ein guter Feldstecher (oder das Teleobjektiv) gehört deshalb für Vogelfreunde unbedingt mit ins Reisegepäck. (Jutta Aurahs)