Riesentausendfüßler

Foto: Thomas Brodmann / animals-digital.de

Steckbrief:

  • Körperlänge: bis über 30 cm
  • Lebenserwartung: über 10 Jahre
  • Verbreitung: Afrika, südlich der Sahara
  • Lebensraum: tropischer Regenwald, Savannenränder
  • Artbestand: kein Schutzstatus

Systematik:

  • Klasse: Diplopoda (Doppelfüßer)
  • Ordnung: Juliformia (Schnurfüßer)
  • Familie: Spirostreptida (??)
  • Gattung: Archispirostreptus (Afrikanische Schnurfüßer)
  • Art: Archispirostreptus gigas (Riesenschnurfüßer)

Aussehen

Riesentausendfüßer, die auf Deutsch korrekt eigentlich Riesenschnurfüßer heißen, sind große, dunkelbraun bis schwarz gefärbte Tiere, die einen langen und nahezu drehrunden Körper aufweisen. Die einzelnen Körpersegmente sind deutlich zu erkennen und jeweils mit einem an der Bauchseite liegenden Beinpaar versehen. Salopp ausgedrückt, ähneln sie einer überdimensionalen, geriffelten Lakritzschnecke. Der halbrund geformte Kopf weist ein deutliches Fühlerpaar auf. Im Gegensatz zu einigen anderen Arten aus Afrika, Südostasien oder auch Südamerika sind die Beinpaare des Riesentausendfüßers genauso pigmentiert wie sein Körper, und auch der Bauch ist nicht heller gefärbt.

Nachwuchs und Aufzucht

Wichtig ist das Vorhandensein beider Geschlechter. Zu diesem Zweck betrachtet man die Tiere von der Seite und achtet auf eine eventuell vorhandene Lücke auf Höhe des siebten Körpersegments in den Beinen. Diese weisen nur die Männchen auf, da sich das seibte Beinpaar zu Geschlechtsorganen (Gonopoden) umgewandelt hat. Die Weibchen werden um einiges länger und deutlich massiger als die männlichen Tiere. Nach der Paarung, die bei allen Schnurfüßern gleich verläuft und bei der das Männchen mittels der Gonopoden sein Sperma in die Geschlechtsöffnung des Weibchens verbringt, wird nach teilweise erst mehreren Monaten das Gelege in Einzeleiern abgesetzt. Diese werden sowohl in Substrat als auch im Kot verpackt. Da die Paarung nie sichtbar verläuft, sondern stets im Bodensubstrat oder unter Verstecken vollzogen wird, bleibt sie für gewöhnlich unbemerkt. Daher sind genaue Daten zur Paarung oder zur Reifedauer der Eier nicht nennbar. Sogar einzeln gehaltene Weibchen können befruchtete Eier ablegen, da sie diese über lange Zeit, womöglich Jahre, speichern können. Die Jungen schlüpfen mit lediglich fünf Körpersegmenten und nur drei Beinpaaren, sind nur einige Millimeter groß und werden bei den Eltern belassen.

Lebensweise und Verhalten

Riesenschnurfüßer sind im Habitat nachtakiv und lassen sich nur nach starken Regenfällen bei Tageslicht blicken. Sie verbringen die Zeit, die sie nicht auf der Suche nach Futter benötigen, unter Wurzeln, Steinen, Rindenstücken oder in selbst aus Erde, Ausscheidungen und anderen Körperflüssigkeiten modellierten Häutungskammern. Man weiß aus Freilandbetrachtungen aufgrund ihrer versteckten Lebensweise wenig über ihr natürliches Verhalten. Es scheint aber so zu sein, dass die Nachtaktivität weniger mit dem Schutz vor Fressfeinden als mit den nachts herrschenden geringeren Temperaturen zu tun hat, da diese Tiere ausgesprochen empfindlich gegen Austrocknung sind.

Kommunikation und Sinnesleistungen

Auch hier ist wenig Konkretes bekannt, definitiv werden Erschütterungen wahrgenommen – und gemieden. Wahrscheinlich sitzen an den Enden der Fühler keine direkten Augen wie bei manchen Insekten oder Schnecken, sondern Organe, die eine Mischung aus Punktaugen, Ohren und Nase (eigentlich Chemorezeptoren) darstellen, wenn man in Wirbeltier-Dimensionen bleiben möchte. Futter wird über weite Entfernungen wahrgenommen. Bei der Kopula läuft definitiv Kommunikation über die Körpersprache ab, da das Männchen bestimmte Bewegungen auf dem Rücken des Weibchens vollführt, um sich ihrer Paarungsbereitschaft zu vergewissern. Interessanterweise sind alle Schnurfüßer in der Lage, aus Lücken zwischen ihren Körperringen ein Verteidigungssekret abzusondern. Bei einigen Arten – auch der hier vorgestellten – enthalten diese Sekrete Blausäure, und so ist es ratsam, diese Flüssigkeit nicht in die Augen oder Schleimhäute gelangen zu lassen. Mit der Zeit unterlassen die Riesenschnurfüßer dieses Abwehrverhalten und werden „zahm“, laufen auf den Händen des Halters herum und fressen aus der Hand.

Ernährung

Lange Zeit ging man davon aus, dass Riesenschnurfüßer reine Vegetarier sind. Dem ist nicht so, da sie auch Hundeflocken oder -presslinge und auch Fischfutter verzehren. In der Natur fressen sie u.a. Kot von anderen Tieren. Der Anteil der pflanzlichen Kost in ihrer Ernährung liegt aber in der Regel bei über 90 Prozent. Dazu gehören neben verschiedenen Obst- und Gemüsesorten auch totes Holz (ein bestimmter einzelliger Organismus in ihrem Darmtrakt wie bspw. bei Engerlingen ermöglicht es ihnen, Zellulose aufzuschlüsseln) und verschiedene Erd- und Kompostarten. Südfrüchte aller Art, Laub sowie diverse Kohl- und Salatarten, immer mit Kalkpräparaten angereichert, nebst den erwähnten Fleischbeilagen stellen die Kost dieser Pfleglinge dar. Diese Tiere besitzen ein Endoskelett, d.h. ihre harte Haut stützt den Körper und muss daher unterstützt werden. Unklar bleibt, wieso die Schnurfüßer an bestimmten Tagen das tierische Eiweiß gierig vertilgen und es an anderen Tagen komplett missachten.

Haltung

Riesenschnurfüßer sollten in Gruppen gepflegt werden, da dies scheinbar ihrer natürlichen Lebensart entspricht. Ein Terrarium der Maße 80 x 40 x 40 cm (Länge x Tiefe x Höhe) kann vier bis sechs Exemplare beherbergen. Dem Licht ist keine besondere Aufmerksamkeit zu schenken, es sollte nur nicht zu grell sein. Gegebenenfalls kann man eine Nachtlampe einsetzen, um seine Pfleglinge in Aktion sehen zu können. Mittels Heizkabel oder -matten sollte eine Temperatur von 25 bis 30° C bei einer geringen Nachtabsenkung (nicht deutlich unter 20° C) vorherrschen. Wichtig sind ein Wasserbecken und eine hohe Luftfeuchte von mindestens 85 Prozent, speziell zur Nacht. Da die Eier der Tiere schlecht von den Kotpillen zu unterscheiden sind, ist bei der Säuberung vorsichtig vorzugehen. Schnurfüßer häuten sich ihr Leben lang, und deswegen kann es geschehen, dass von den Tieren wochenlang nichts zu sehen ist, da sie sich in ihrer Häutungskammer aufhalten. Ideal zur Pflege ist ein Behälter, vielleicht aus Kunststoff, der angehoben werden kann. Dadurch besteht die Möglichkeit, die Tiere im Substrat, das aus Humus oder Walderde bestehen kann, von unten zu kontrollieren, ohne sie stressen zu müssen. Keinesfalls darf Torf als Bodengrund Anwendung finden, da er basisch (sauer) ist. Er würde das alkalische Endoskelett schädigen und zerstören, was zum Tode der Pfleglinge führen würde.

Ähnliche Tiere - Skolopender (Hundertfüßer)

Nur auf den ersten Blick gleichen diese Carnivoren (Fleischfresser) den Tausendfüßern. Im Unterschied zu Letzteren ist ihr Körper abgeflacht, und die Beinpaare (deutlich weniger) sitzen an den Seiten der Körpersegmente. Außerdem sind ihre waagerechten Beißwerkzeuge deutlich zu erkennen. Skolopender, die ein genauso großes Verbreitungsgebiet wie die Schnurfüßer aufweisen, sind deutlich schneller als jene und fressen alles an Insekten, Gliedertieren und kleinen Wirbeltieren, was sie überwältigen können. Ihre Terrarien sollten peinlich genau dicht sein und verschlossen werden, da das Gift der Hundertfüßer für ihre Größe sehr stark ist. Während ein Riesenschnurfüßer wohl nur gefährlich für den Menschen werden kann, wenn man auf ihm herumkaut, ruft der Biss eines Skolopenders neben sofortigen starken Schmerzen auch dauerhafte Schädigungen hervor. Die Haltung dieser Tiere richtet sich nach ihrer Herkunft, da sie von Wüstengebieten bis in die Regenwälder vorkommen, und sollte aufgrund ihrer Giftigkeit genau überlegt werden.

Hätten Sie's gewusst?

Es sind zurzeit 3.600 Arten von Schnurfüßern beschrieben, allein mehr als 1.000 aus dem tropischen Afrika. Da sie gut zu halten sind, ist davon auszugehen, dass durch viele Naturentnahmen mehrere Dutzend Arten in Europa gehalten und vermehrt werden, obwohl man nicht genau weiß, um welche es sich genau handelt.