Integration in die Herde

Die Integration eines neuen Pferdes in eine bestehende Herdenstruktur erfordert vor allem Zeit. Mit einigen einfachen Maßnahmen kann die Eingewöhnung des Neulings erleichtert werden.

Die Rollenverteilung ist noch nicht klar, diese Pferde begegnen sich noch mit Skepsis. Foto: Britta Schön

Eine Pferdeherde ist ein komplexes Gebilde. Die Hierarchie ist klar geordnet, muss aber nicht linear verlaufen, und Freundschaften sind auch zwischen ranghohen und rangniedrigen Mitgliedern der Gruppe häufig anzutreffen. Ein Neuankömmling bringt große Unruhe in die Gruppe. Ohne die nötige Vorsicht birgt diese Situation ein extrem hohes Verletzungsrisiko. Nach Möglichkeit sollte eine solche Eingliederung daher immer auf großen Flächen vonstatten gehen, die ausreichend Fluchtmöglichkeiten bieten. Während der Weidesaison ist dies am leichtesten umzusetzen.

Zaun an Zaun

Das fremde Pferd ist nicht nur eine unbekannte Größe, es riecht auch falsch nach fremdem Stall. Die Pferdeäpfel werden daher ausnahmsweise nicht direkt auf den Misthaufen entsorgt, sondern dienen als Schnupperprobe: Anhand des Geruchs erfahren die Pferde viel über ihren neuen Kameraden.

Selbst bei großer gegenseitiger Sympathie folgt auf das erste Kennenlernen meist eine Abwehrreaktion. Diese kann leicht entschärft werden, indem der Neuling nicht sofort in die Herde entlassen wird, sondern zunächst auf der angrenzenden Weide bzw. dem angrenzenden Paddock läuft. Über den Zaun hinweg können sich die Pferde schon einmal beschnuppern, doch der Neue kann nicht gejagt und bedrängt werden.

Dieses Arrangement bleibt so lange bestehen, bis die Pferde sich aneinander gewöhnt haben und die Aufregung sich gelegt hat. Das kann durchaus einige Tage dauern.

Die Gruppengröße

Zwei Pferde gewöhnen sich meist schnell aneinander – sie haben ja nur sich! Doch der Dritte wird es schwer haben. Bei größeren Herden bietet es sich an, die Pferde sozusagen portionsweise mit dem Neuankömmling zusammenzubringen. Nachdem über den Zaun hinweg schon die größten Differenzen geklärt wurden, darf zunächst der Herdenchef bzw. die Herdenchefin das neue Pferd näher in Augenschein nehmen. Erst wenn auch hier wieder Frieden eingekehrt ist, kommen die nächsten Pferde hinzu – und so geht es weiter, bis die Herde wieder komplett ist.

Die passende Weide

Auch wenn alle notwendigen Vorbereitungen getroffen wurden, kann nicht ausgeschlossen werden, dass das neue Pferd zu Beginn immer wieder gejagt und in seine Schranken gewiesen wird. Es ist daher wichtig, dass die Weide groß genug ist, um ihm die Flucht zu ermöglichen. Ebenso muss es möglich sein, dass der Neue in einem gewissen Sicherheitsabstand zur Herde grast.

Spitze Winkel und Engstellen sind in diesem Fall besonders gefährlich. Hier kann der Gejagte nicht ausweichen und flüchten. Im schlimmsten Fall wird er in die Ecke gedrängt und angegriffen.

Große Flächen, möglichst quadratisch angelegt und mit gutem Geläuf, bieten optimale Bedingungen für die ersten Tage und Wochen. (Britta Schön)