Streifengrasmäuse

Foto: Thomas Brodmann / animals-digital.de

Steckbrief:

  • Körperlänge: 8 – 13 cm (Schwanzlänge: 8 – 16 cm)

  • Gewicht: 30 – 50 g

  • Körper: langgestreckt

  • Fellhaar: dicht, kurz

  • Lebenserwartung: 3 – 4 Jahre

  • Kopf: spitz zulaufend, mit großen Ohren

Systematik:

  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Nagetiere
  • Familie: Mäuseartige
  • Gattung: Grasmäuse
  • Art: Streifengrasmäuse

Aussehen:

Das Aussehen der Grasmäuse variiert sehr stark, je nach Art. Gemeinsam ist allen Arten die langgestreckte Körperform und der nahezu nackte Schwanz. Die in Menschenobhut kaum gehaltene Einstreifengrasmaus (L. rosalia) hat nur einen einzigen dunklen Strich auf dem Rücken.

Im Gegensatz dazu zeigt die Tüpfelgrasmaus (L. striatus) sowie weitere Arten auf dem Rücken ein Muster aus hellen Punkten, die 5 oder 6 Reihen auf jeder Körperseite bilden. Die bekannteste und beliebteste Art der Gattung, die Vielstreifengrasmaus (L. barbarus), besitzt statt Punktreihen durchgehende helle Linien auf dunklem Grund und erinnert damit stark an Wildschweinfrischlinge.

Nachwuchs und Aufzucht:

In Menschenobhut erweist sich die Zucht der Streifengrasmäuse nicht immer als ganz einfach. Eine mögliche Ursache für ausbleibenden Nachzuchterfolg scheint die Inzucht zu sein, für die die Streifengrasmäuse eine Art Nachzuchtsperre errichtet haben, d.h. Tiere, die nahe miteinander verwandt sind, pflanzen sich nicht miteinander fort. Es sollte deshalb immer wieder frisches Blut in den eigenen Bestand eingebracht werden, um derlei Inzuchtdepressionen zu vermeiden.

Eine weitere Ursache für ausbleibenden Nachwuch ist das Vermischen von verschiedenen Arten. Da sich einige Arten der Grasmäuse kaum unterscheiden, kommt es immer wieder ungewollt zu Verpaarung verschiedener Arten, was meist erfolglos bleibt. Auch die Beschreibung des sehr unterschiedlichen Temperaments liegt wahrscheinlich an der Vermischung verschiedner Arten.

Das Hauptproblem ist aber das Zusammenstellen harmonierender Zuchtpaare bzw. –gruppen. Leider kommt es immer wieder vor, dass zwei Tiere zwar augenscheinlich miteinander harmonieren, Nachwuchs bleibt aber dennoch aus. Den besten Erfolg erzielt man mit Zuchtgruppen die aus einem Männchen und zwei oder drei Weibchen bestehen.

Kommt es zur erfolgreichen Begattung, werden nach ca. 21 Tagen 4 - 6 nackte Jungtiere geboren, bei denen sich die spätere Streifenzeichnung schon deutlich abzeichnet. Nach 10 - 12 Tagen öffnen sich die Augen und nach etwa 4 Wochen sind die Jungen selbstständig. Zur Zucht sollten sie dennoch erst im Alter von 6 Monaten angesetzt werden.

Wesentlich für einen Zuchterfolg ist es, den Tieren ausreichend Ruhe zu gönnen. Halter, die täglich im Käfig herumhantieren und evtl. ständig das Nest auseinandernehmen, um einen erwarteten Zuchterfolg zu kontrollieren, werden meistens enttäuscht. Lässt man die Tiere jedoch in Ruhe und beschränkt die Kontrollen auf ein Minimum, lässt Nachwuchs meist nicht lange auf sich warten, vorausgesetzt, man besitzt eine harmonierende Gruppe.

Lebensweise und Verhalten:

Streifengrasmäuse sind mit ihren verschiedenen Unterarten im südlichen Afrika beheimatet, lediglich die algerische Streifengrasmaus kommt nördlich der Sahara vor. Bevorzugter Lebensraum sind die Savannen, einige Unterarten kommen aber auch in lichten Wäldern oder Kulturland vor.

Streifengrasmäuse bevorzugen soziale Lebensweisen und leben in großen Kolonien, die ihnen den besten Schutz vor den zahlreichen Fressfeinden bieten. Das Leben spielt sich vorzugsweise auf dem Boden ab, wo die Tiere unterhalb der Grasdecke ausgedehnte Gänge anlegen, nur einige Unterarten klettern regelmäßig.

Vergleichbar den mongolischen Rennmäusen sind Streifengrasmäuse wechselaktiv, wobei das Aktivitätsmaximum am Tage liegt. Die Aktivitätsphasen dauern ca. 2 Stunden, auf sie folgen etwa gleichlange Ruhephasen. Oftmals werden Streifengrasmäuse als scheue Tiere beschrieben, die sich nicht anfassen lassen und bei Annäherung evtl. sogar panisch reagieren. Nach meinen Erfahrungen kann ich dies nicht bestätigen. Meine Tiere sind äußerst zutraulich und nehmen auch Futter aus meiner Hand. Allerdings – Streicheltiere sind es keineswegs.

Kommunikation:

Über die Kommunikation der Grasmäuse ist kaum etwas bekannt, da sie bisher in Menschenobhut nicht die Verbreitung besitzen, wie z.B. die Mongolische Rennmaus. Wahrscheinlich ist aber, dass die Tiere auch über Gerüche kommunizieren. Deutliche Lautäußerungen bleiben normalerweise aus. Lediglich wenn sich ein Tier stark bedrängt fühlt, fängt es an zu Quietschen.

Ernährung:

Die Ernährung wilder Streifengrasmäuse besteht zum Grossteil aus Gras, Sämereien, Getreide und Früchten. Entgegen vieler Berichte nehmen sie aber auch tierische Nahrung auf und sind keineswegs reine Vegetarier. Als Grundfutter für Streifengrasmäuse ist deshalb eine Mischung aus Wellensittichfutter und Kanarienfutter ohne Rübsen sinnvoll. Sonneblumenkerne sollten möglichst nicht gereicht werden, da sie sonst zu schnell verfetten.

Zusätzlich kann man verschiedene Sorten Gemüse und Grünfutter (Blattsalat, Chicoree etc.) verfüttern. Sehr beliebt sind auch Wildkräuter (Löwenzahn, Hirtentäschel, Knöterich), die im Sommer frisch gesammelt werden können. Der Bedarf an tierischem Eiweiß kann durch Lebendfutter, aber auch durch Eifutter, Insektenfutter, gekochtes Hühnerei oder Milchpulver zur Kälberaufzucht gedeckt werden.

Vergesellschaftung:

Obwohl Streifengrasmäuse meist soziale Tiere sind, kommt es immer wieder zu Problemen bis hin zu Kannibalismus. Kommt nämlich ein fremdes Tier in das Revier einer Gruppe oder einer anderen Maus, verteidigt diese das Revier energisch. Dabei kann es vorkommen, dass das unterlegene Tier regelrecht skalpiert wird, wobei ihm die gesamte Haut vom Kopf bis zum Rücken abgezogen wird. Anschließend wird das Tier getötet und gefressen.

Beim Zusammensetzen kommt es deshalb auf das Fingerspitzengefühl des Halters an. Wichtig ist vor allem, die Tiere die ersten Stunden keinesfalls aus den Augen zu lassen. Für das aneinander Gewöhnen verschiedener Tiere haben sich die gleichen Methoden bewährt, die auch bei Rennmäusen angewendet werden. Soll eine Gruppe neu zusammengestellt, greift man am besten auf nicht geschlechtsreife Jungtiere zurück.

Hätten Sie's gewusst:

Zeitweise wurden drei offensichtlich verschiedene Arten von Vielstreifengrasmäusen, als L. barbarus gehandelt. Diese Tiere haben eine sehr unterschiedliche Herkunft. So kam eine Art aus Tiere aus Nordafrika, die andere aus Westafrika. Ob es sich bei der dritten „Art“ um Mischlinge handelt, kann bis heute nicht zweifelsfrei geklärt werden.

Die nordafrikanischen Tiere sind meist sehr scheu und springen hektisch in ihrem Gehege umher, wenn sie erschreckt werden. Ihr Vorteil ist die vollständige Friedfertigkeit der adulten Tiere, auch in größeren Gruppen mit Tieren beiderlei Geschlechts. Die westafrikanische Art, die eine borstigere Fellstruktur und kleinere Ohren besitzt, wird meist in kurzer Zeit zahm, manche Exemplare lassen sich sogar gerne auf die Hand nehmen und streicheln.

Ihr Problem ist die enorme Unverträglichkeit sowie die geringe Vermehrungsrate. Die dritte Variante der als Streifengrasmaus gehandelten Art liegt im Verhalten zwischen den beiden zuvor beschriebenen Arten, was die Vermutung einer Mischform bestärkt.