Haltung von Mäusen:

Auf viele Menschen wirken Mäuseartige niedlich. Schnell erwacht der Wunsch, diese Tiere auch zu halten. Dabei darf man aber niemals vergessen, dass auch Mäuse einige Ansprüche an die Haltung stellen, die im Vorfeld bedacht werden müssen.

Foto: Thomas Brodmann / animals-digital.de

Egal ob Sie sich Stachelmäuse, Rennmäuse oder einen anderen Vertreter der großen Familie der Mausartigen anschaffen möchten, vor der Anschaffung gilt es, sich ausreichend Gedanken über die Bedürfnisse der jeweiligen Pfleglinge zu machen. Des Weiteren müssen Sie auch klären, welche Anforderungen Sie an ihre neuen Hausgenossen stellen. Schon allein aufgrund der geringen Größe eignen sich Mausartige nicht als Kuscheltier.

Zwar werden Rennmäuse und auch Farbmäuse durchaus zutraulich, mögen es aber überhaupt nicht, in der Hand eingeschlossen oder angefasst zu werden. Zwar gibt es immer wieder Ausnahmen, dies ändert aber nichts daran, dass Mäuse überwiegend Beobachtungstiere sind. Um sich vor Enttäuschungen zu schützen und sich deutlich vor Augen zu führen, was mit der Anschaffung von Mäusen auf Sie zukommt, ist es sinnvoll, sich vor dem Erwerb der neuen Hausgenossen folgende Fragen zu stellen:

  1. Habe ich mich über die Ansprüche und Bedürfnisse der Tiere gut informiert?

  2. Habe ich ausreichend Zeit, um mich mit den Tieren zu beschäftigen?

  3. Bin ich bereit, die regelmäßige Gabe von Lebendfutter in Kauf zu nehmen?

  4. Bin ich bereit, regelmäßig Zeit zum Reinigen der Käfige und deren Umgebung zu investieren?

  5. Lebt in meiner Familie kein Hausstauballergiker?

  6. Weiß ich, wer meine Tiere im Urlaub versorgt?

  7. Sind die Kosten für Futter, Streu und Obst im Haushaltsbudget eingeplant?

  8. Habe ich eventuell anfallende Tierarztkosten einkalkuliert?

  9. Ist mir bewusst, dass Mäuse keine Kuscheltiere sind?

  10. Bin ich bereit, mindestens zwei Mäuse anzuschaffen?

Können Sie alle Fragen mit ja beantworten und haben Sie mit allen Familienangehörigen Einvernehmen über den Einzug der neuen Mitbewohner erzielt, können Sie den Erwerb der Mäuse weiter planen. Ist dies jedoch nicht der Fall, sollten Sie auf den Erwerb verzichten, da Mäuse ofensichtlich nicht in ihr Leben passen.

Mäuse sind keine Kuscheltiere, sondern Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen. Deshalb ist es wichtig, sich vor dem Kauf genauestens über die Lebensweise der Tiere zu informieren!

Woher bekommt man Mäuse?

Nicht alle Mäuse sind im Zoofachhandel erhältlich. Zwar haben viele Zoofachhandlungen Farbmäuse und Mongolische Rennmäuse im Angebot, Stachelmäuse, Zwergmäuse und Streifengrasmäuse findet man jedoch dort nur selten. Hier bleibt nur der Kauf direkt beim Züchter. Er bietet zudem den Vorteil, dass Sie eine ausführliche und sachkundige Beratung erhalten, die auf eigenen Haltungserfahrungen beruht. Und natürlich erhalten Sie beim Züchter auch einen Einblick in die bisherigen Haltungsbedingungen ihrer Pfleglinge.

Dabei gilt der Wahlspruch „Mit den Augen klauen ist erlaubt“, sodass Sie sich so manchen Tipp für die eigene Haltung abschauen können. Vor allem für Neulinge in der Mäusehaltung ist dies ein großer Vorteil, der auch den meist längeren Anfahrtsweg wettmacht. Kontakte zu Züchtern erhalten Sie über das Internet oder entsprechende Fachzeitschriften, z. B. die Rodentia. Gut geeignet, um Kontakte zu knüpfen, sind auch so genannte Kleintierbörsen. Oft handelt es sich dabei um Terrarienbörsen, auf denen auch Kleinsäuger (zu denen zählen alle Mausartigen) angeboten werden.

Auf solchen Veranstaltungen kann man sich mit Gleichgesinnten austauschen und artgerechtes Zubehör erwerben. Meist werden auf diesem Börsen auch seltener gehaltene Mäusearten wie Zwergmäuse, Streifengrasmäuse und Stachelmäuse angeboten. Allerdings können Sie auf solchen Veranstaltungen die bisherige Haltung nicht beurteilen.

Mäuse aus dem Tierheim

Farbmäuse und Rennmäuse sind heute leider in nahezu jedem Tierheim zu finden. Oftmals sind es Tiere, die aus unkontrollierten Zuchten (oder besser gesagt Vermehrungen) stammen. Viele Halter bedenken die enorme Fruchtbarkeit der meisten Mäuse nicht und sind dann schnell überfordert. Aus diesem Grunde geben Tierheim Mäuseböckchen oft nur kastriert ab, um eine weitere unkontrollierte Vermehrung zu verhindern. Seltenere Mäusearten finden Sie im Tierheim bisher eher selten, wobei es hierbei auch Ausnahmen gibt.

Ein Anruf beim örtlichen Tierheim lohnt sich also immer, zumal Sie mit dem Erwerb eines dort untergebrachten Tieres ein gutes Werk tun. Werden Sie im Tierheim nicht fündig, hilft eventuell noch der Blick in den Anzeigenteil der lokalen Tageszeitung. Auch dort werden regelmäßig verschiedene Mäusearten angeboten. Dabei handelt es sich entweder um ungewollten Nachwuchs oder um ältere Tiere, die aus verschiedensten Gründen abgegeben werden. Mit dem Erwerb dieser Tiere können sie eventuell verhindern, dass sie im Tierheim landen.

Die Auswahl der Tiere

Einer der schwierigsten Momente bei der Anschaffung von Mäusen ist die Auswahl eines Tieres aus einer größeren Gruppe. In solchen Momenten dürfen Sie sich nicht davon leiten lassen, welches Tier besonders niedlich aussieht, sondern darauf achten, dass Sie ein gesundes Tier ohne Verhaltensauffälligkeiten erwerben. Hierzu halten Sie eine Weile Abstand von den angebotenen Tieren und beobachten diese aufmerksam.

Auffällig aggressive oder träge Tiere können krank sein, dabei muss jedoch der jeweilige Aktivitätsrhythmus der Art beachtet werden. Bei nachtaktiven Mäusearten ist es vollkommen normal, wenn diese tagsüber schlafen, bei Arten, die jedoch auch tagsüber aktiv sind (z. B. Mongolische Rennmäuse), kann es ein erster Hinweis auf eine ernsthafte Erkrankung sein, wenn ein Tier über einen längeren Zeitraum nur träge in seinem Unterschlupf liegt. Haben Sie eine Vorauswahl getroffen, können Sie das Tier in die Hand nehmen, um es genauer auf seinen Gesundheitszustand untersuchen zu können.

Ein Paar oder zwei gleichgeschlechtliche Rennmäuse?

Wenn Sie mit Ihren Mäusen nicht züchten wollen, ist es wichtig, darauf zu achten, dass sie nur Tiere eines Geschlechts zusammen halten, sofern dies möglich ist. So ist die gemeinsame Haltung von Farbmausböcken oftmals nicht möglich, solange die Tiere nicht kastriert wurden. Zwar gibt es auch hier Ausnahmen, aber vor allem für Anfänger in der Mäusehaltung ist die Gemeinschaftshaltung von männlichen Farbmäusen nicht empfehlenswert. Bei anderen Mäusearten gibt es derartige Probleme nicht, bei ihnen können auch Männchen problemlos zusammen gehalten werden.

Entscheiden Sie sich jedoch für ein „echtes“ Paar, müssen Sie damit rechnen, dass Sie alle 4 – 6 Wochen Jungtiere in Ihrem Gehege vorfinden. Vielen Haltern wächst die Jungenzahl dann schnell über den Kopf und die Tiere werden – mangels geeigneter Abnehmer – im Tierheim abgegeben oder einfach ausgesetzt. Besser ist es deshalb, nur Tiere eines Geschlechts zu erwerben. Leider kommt es immer wieder vor, dass die Geschlechter bei jungen Mäusen falsch bestimmt werden, weshalb sich dann die vermeintlich gleichgeschlechtlichen Tiere letztlich doch als Paar herausstellen.

Aus diesem Grund ist es wichtig, die Geschlechtsbestimmung nur von einem erfahrenen Halter vornehmen zu lassen und keine zu jungen Tiere zu erwerben, bei denen das Geschlecht eventuell schwer ersichtlich ist. Ist es dennoch zu einer fehlerhaften Geschlechtsbestimmung gekommen, können Sie das Männchen bei einem entsprechend erfahrenen Tierarzt kastrieren lassen, um eine unkontrollierte Vermehrung zu verhindern.

Das richtige Alter

Nicht nur bei der sicheren Geschlechtrbestimmung spielt das Alter eine Rolle. Man sollte auch keine Maus erwerben, die jünger als 6 Wochen ist, da in diesem Alter die Sozialisation noh nicht abgeschlossen ist. Zu früh von den Eltern getrennte Mäuse können Verhaltensstörungen aufweisen, da sie die wesentlichen Verhaltensweisen im Umgang mit Artgenossen nich nicht gelernt haben. Ihre Vergesellschaftung ist nahezu unmöglich. (Ralf Sistermann)