Typische Krankheiten bei Fröschen

Viele Krankheiten bei Krallenfröschen sind auf dauerhafte Pflegefehler zurückzuführen – insbesondere auf unzureichende Ernährung. Häufig genügt bereits eine Optimierung der Lebensumstände, um eine deutliche Besserung zu erreichen.

Pilzbefall und Infektionen

Zu den sogenannten Sekundärkrankheiten zählen gesundheitliche Komplikationen, die durch schlechte Haltung der Frösche begünstigt bzw. ausgelöst werden. Einseitige Ernährung und dauerhaft schlechte Wasserqualität führen zu Mangelerscheinungen und schwächen das Immunsystem der Tiere. Sie bieten so für die immer in Aquarien vorkommenden Organismen wie Pilze und Bakterien willkommene Angriffsfläche, für gesunde Tiere dagegen besteht keine Gefahr. Hinter den Namen für Infektionen verbergen sich meist bestimmte Bakterien und Viren. Verantwortlich z. B. für die gefürchtete „Red-Leg-Seuche“ sind Aeromonas hydrophila.

Wird der Befall mit Pilzfäden oder wunden Stellen frühzeitig entdeckt, helfen einerseits eine wesentliche Verbesserung bzw. Optimierung der Lebensverhältnisse und andererseits – natürlich auch im fortgeschrittenen Stadium – der vorsichtige Einsatz von Medikamenten. Durch genaue, regelmäßige Beobachtung der Tiere kann jedoch vieles verhindert werden. Sind die Frösche dann aber doch mal krank, muss nicht das gesamte Aquarium behandelt werden. Denn letztlich wird durch den Einsatz von Chemikalien das gesamte Gleichgewicht immer empfindlich gestört. Das gilt ganz besonders für die schadstoffabbauenden Bakterien, die ja erhalten werden müssen. Denn Antibiotika können natürlich nicht zwischen „guten“ und „bösen“ Bakterien unterscheiden. Die kranken Tiere können dagegen einzeln in Bädern oder laut Packungsbeilage gepflegt und letztlich wieder in eine gesunde Umwelt eingesetzt werden.

Verletzungen, offene Wunden, Geschwüre

Abgesehen davon, dass die Ursache beseitigt bzw. behandelt werden muss, ist es genauso wichtig, Verletzungen der Haut oder auch tiefere Wunden und Geschwüre zu heilen. Kaliumpermanganat hat sich zwar nicht nur in der Humanmedizin, sondern auch in der gesamten Aquaristik als Desinfektionsmittel lange bewährt, heute ist jedoch überwiegend eine Jodlösung (Betaisodona) das Mittel der Wahl. Es ist verdünnt sowie unverdünnt vielfältig anwendbar und auch auf Schleimhäuten gut verträglich.

Bei harmloseren Erscheinungen oder als zusätzliche Maßnahme können die jeweils erkrankten Frösche auch wiederholt ein Vollbad in Kamillen- und/oder Ringelblumentee nehmen – natürlich entsprechend angenehm temperiert. Solche Bäder können für mehrere Stunden sinnvoll sein. Eine Abdunkelung hilft, die Tiere zu beruhigen.

Verletzungen und dergleichen müssen außerhalb des Wassers versorgt werden, wobei nicht zu vergessen ist, dass die Haut der Frösche feucht bleiben muss und nicht mit trockenen Fingern berührt werden darf. Also einige nasse Küchentücher bereitlegen, auch eines als Unterlage für den kleinen Patienten. Er sollte immer wieder durch eine Plastikspritze ohne Kanüle mit Wasser beträufelt werden. Dazu eignet sich am besten eine kleine Schale warmes (ca. 23° C) abgekochtes Leitungswasser, das übrigens auch eine gute Grundlage für Bäder aller Art ist, denn Bakterien sind schließlich kaum vorhanden.
 
Mangelerscheinungen


Vitamin- und Caliummangel ist mit allen Folgeerscheinungen eine der häufigsten Sekundärkrankheiten bei Fröschen. Sie können sich in Lähmungen, Gleichgewichts- und Bewegungsstörungen äußern. Zusätzliche Hautprobleme sind meist ein Zeichen für Vitamin-A-Mangel, während Verformungen und Erweichungen der Glieder auf Calciummangel hinweisen. Durch regelmäßige Vitamingaben und Mineralien kann dem entgegengewirkt werden bzw. können vorhandene Symptome so auch wieder beseitigt werden. Allerdings kann derlei natürlich im fortgeschrittenen Stadium mit Infektionen einhergehen, die dann ggf. ebenfalls behandelt werden müssen.  

Die Ballonkrankheit

Diese zum Teil umstrittene Krankheit äußert sich in aufgetriebenen Bäuchen – bzw. es kann das gesamte Tier aufgebläht sein. Es gibt zwei Formen der Ballonkrankheit:

  1. gasförmiger Auftrieb
  2. Flüssigkeitseinlagerungen durch Lymphe (Hydrops)

Die Ursache für Flüssigkeitseinlagerungen ist noch recht unklar; als gesichert gilt, dass es mit einseitiger und/oder übermäßiger Fütterung mit Roten Mückenlarven einen Zusammenhang gibt – besonders mit lebenden. Allerdings kann offenbar auch ohne Fütterung von Roten Mückenlarven sowie ausreichender und artgerechter Ernährung die Krankheit ausbrechen. Deswegen könnten auch Viren oder Bakterien der Grund sein, doch auch hier gibt es Widersprüchlichkeiten. Fakt ist: Eine Heilung gibt es nicht, allerdings kann die Krankheit verzögert werden, die grundsätzlich nicht ansteckend ist.
Beim Auftrieb mit Gas ist zu beachten, dass keinesfalls die Umgebungstemperatur erhöht werden darf, da sich sonst mögliche Mikroorganismen zusätzlich vermehren würden.

Linderung oder gar Symptomfreiheit bei beiden Krankheitsformen kann durch ein (wiederholtes) Bad in einer Kochsalzlösung oder sog. Ringerlösung (Apotheke) erreicht werden. Bei einer Einlagerung von Lymphflüssigkeit kann mit etwas medizinischem Geschick und sorgfältiger Arbeit auch eine Punktion durchgeführt werden. Dies kann je nach Bedarf (zwei bis mehrere Wochen) wiederholt werden, sodass ein Frosch noch sehr lange ein gutes Leben führen kann. Unbehandelt endet die Krankheit allerdings bald tödlich.

Augentrübungen und Bewegungslosigkeit


Gelegentlich fallen Beobachtern Erscheinungen auf, die zunächst besorgniserregend wirken, sich aber als harmlos bzw. als natürliches Verhalten besonders der Zwergkrallenfrösche herausstellen. Trübungen der Augen weisen meist darauf hin, dass eine Häutung ansteht, ein völlig normaler Vorgang bei allen Fröschen. Bleibt die Trübung der Augen länger als einige Tage bestehen, kann es auch etwas Ernstes sein, und es gilt den Grund herauszufinden und ggf. zu behandeln. Auch wilde Zappeleien und Verrenkungen zeigen meist erfolgreiche Bemühungen des Frosches, aus seinem alten Kleid zu kommen. Meist wird die alte Haut gefressen.
Hin und wieder zeigen Zwergkrallenfrösche eine regelrechte Starre, bei der sie manchmal auf dem Rücken liegen. Ein weiterer Trick, um Gefahren abzuwenden, denn Frösche können sich nicht mit Waffen verteidigen.

Weltweites Froschsterben – sind unsere Pipiden betroffen?


Überall auf der Welt gehen die Bestände der Frösche zurück, und das zum Teil sehr dramatisch. Zunächst wurde die zunehmende Umweltbelastung der Lebensräume und dort insbesondere der Gewässer ins Auge gefasst, doch dies spielt in diesem Zusammenhang wohl eher eine untergeordnete Rolle. Schließlich gilt als gesichert, dass eine Infektion (Chitird) für dieses massive Froschsterben verantwortlich ist. Ausgerechnet der Große Krallenfrosch gilt als einer der Überträger, denn er selbst ist resistent. Durch seine weite Verbreitung im Rahmen des Handels wird auch der Virus mitverbreitet.
Zwergkrallenfrösche in menschlicher Obhut können offenbar auch von einem Erreger infiziert werden. Absolut gesicherte Erkenntnisse liegen noch nicht vor, daher ist es sicherer, neu erworbene Frösche zunächst separat von der übrigen Gruppe einige Wochen in Quarantäne zu halten. In jedem Fall sollte der Züchter oder (Zoo-)Händler zur Herkunft befragt werden. Eindeutige Symptome gibt es nicht, ein Nachweis der Krankheit scheint bisher nur unter Laborbedingungen möglich.

Magere Jungfrösche – vorsichtig anfüttern

Leider sind gelegentlich in Zoohandlungen oder auch anderen Gelegenheiten noch immer junge Frösche im Angebot, die viel zu mager sind - ein deutliches Signal dafür, dass eine Ernährung nur mit Pellets ungenügend ist und/oder schnell fressende Fische oder andere Tiere anwesend sind.

Merkmale für eine Unterernährung bei Fröschen sind eine deutlich erkennbare Wirbelsäule sowie eingefallene Seiten. Wirken die Knirpse ansonsten gesund – haben sie klare Augen, sind alle Glieder vollständig und die Haut ist ohne Beläge –, können sie im Grunde erworben werden. Allerdings sollte unbedingt auf die Missstände hingewiesen sowie ein deutlicher Preisnachlass angestrebt werden.

So dünne Frösche müssen langsam an eine artgerechte Ernährung gewöhnt werden. Das bedeutet häufigere Fütterungen mit kleinen Mengen und genauer Beobachtung. Zu viel Nahrung auf einmal kann zu gesundheitlichen Komplikationen wie z.B. Darmverschluss führen. Das gilt auch für ausgewachsene Tiere.

Werden die Kleinen in eine bestehende Gruppe integriert, ist eine Einzelfütterung innerhalb der nächsten Tage sinnvoll. Sofortige Vitamingaben sowie eine zusätzliche Anreicherung des Futters mit Calcium und Spurenelementen führen in der Regel zu einer Normalisierung des Körperumfanges.

Eine artgerechte Unterbringung der Neulinge ist natürlich ebenfalls eine gute Grundlage zur Verbesserung der Situation. (Annette Berkelmann)