Tierversuche

Nach der alljährlich vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz veröffentlichten Statistik ist die Zahl der Versuchstiere erneut angestiegen: 2008 mussten rund 100.000 mehr Tiere in deutschen Labors leiden und sterben.

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Insgesamt wurden 2008 rund 2,7 Millionen Wirbeltiere zu Versuchszwecken genutzt. „Trotz Versprechungen der Bundesregierung und eines parteiübergreifenden Konsens, dass die Zahl der verwendeten Versuchstiere reduziert werden müssen, weist der Bericht erneut einen Anstieg der Tierversuche aus. Die Bundesregierung hat damit zum wiederholten Male das Ziel verfehlt, die Zahl der Tierversuche zu verringern“, stellt Brigitte Rusche, Vizepräsidentin des Deutschen Tierschutzbundes und Leiterin der Akademie für Tierschutz in Neubiberg, fest.

Zwar begrüßt der Deutsche Tierschutzbund die Aussage des Bundesministeriums, sich weiterhin für eine Senkung der Tierversuchszahlen, zum Beispiel durch Alternativmethoden, einzusetzen. „Diese Ankündigungen haben wir jedoch schon allzu oft gehört. Wir erwarten jetzt endlich zielgerichtetes Handeln. Als ersten wichtigen Schritt sehen wir die Ankündigung der Bundesministerin, die Expertenrunde wiederzubeleben, die die Statistiken analysieren und daraus Möglichkeiten zur Reduktion von Tierversuchen und zur Weiterentwicklung von Alternativen ableiten soll. Dann müssen aber auch konkrete Maßnahmen folgen, die bisher ausgeblieben sind“, stellt Rusche fest.

Ein bloßer Appell der Ministerin an Wirtschaft und Wissenschaft, neue Wege zur Reduzierung der Tierversuchszahlen zu gehen, reiche nicht aus, um eine Abkehr von Tierversuchen einzuleiten, so die Tierschützer. Vielmehr seien gesetzliche Maßnahmen dringend erforderlich. Derzeit wird auf EU-Ebene die Versuchstierrichtlinie überarbeitet: „Das ist die Gelegenheit, einen verbesserten Schutz von Versuchstieren festzuschreiben. Wir fordern die Bundesregierung auf, sich auf EU-Ebene unter anderem dafür einzusetzen, dass erheblich strengere Maßstäbe bei der Genehmigung von Tierversuchen festgelegt werden“, so Rusche weiter. Demnach sollten Tierversuche auch einer Qualitätskontrolle unterzogen werden. Diese würde schnell zeigen, dass Tierversuche nicht geeignet seien, die Sicherheit zum Beispiel von Medikamenten zu garantieren oder hervorragende Erfolge bei der Behandlung von Krankheiten zu liefern. Auch gibt es auch Sicht des Tierschutzbundes keine Rechtfertigung, Tiere bei Tests für kosmetische Produkte leiden zu lassen.

Nach der Statistik ist ein gravierender Anstieg um 32 Prozent auf 498.269 bei der Verwendung gentechnisch veränderter Tiere festzustellen. Besonders alarmierend sei auch der drastische Anstieg bei der Zahl der verwendeten Affen: Im Jahr 2007 waren es 2.487 Affen, 636 mehr als 2006. Auch die Zahl der Katzen für Tierversuche stieg 2007 von 586 auf 802, die von Hunden von 4.260 auf 4.794. 2008 waren es insgesamt 2,7 Millionen Wirbeltiere. (Deutscher Tierschutzbund)